Sicherheitsstufen

Historie:

Tresore gibt es schon sehr lange. Zunächst als einfache abschließbare Behältnisse kunstvoll gefertigt, wurde der Anspruch an die Sicherheit im Laufe der Jahre immer größer, denn Produzenten schauten, wie die Einbrecher vorgingen, entwickelten wie es heutzutage gern heißt "Sicherheitsupdates", und die Einbrecher schauten, wie sie diese zusätzliche Sicherheit mit möglichst einfachen Mitteln umgehen konnten, das wohlbekannte Katz- und Maus-Spiel also.

VDMA - Einheitsblatt 24992:

In den 1980er Jahren wurden Tresore nach Mindestanforderungen produziert, die der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer e.V. in sogenannten Einheitsblättern formuliert hatte. So wurde u.a. die „Sicherheitsstufe A nach VDMA Einheitsblatt 24992“ als einwandiger Stahlkorpus mit einer doppelwandigen Tür eingestuft, wenn der Stahl gewisse Mindeststärken aufwies, die auch in bestimmten Mindest-Varianten aufgelistet waren. Der Unterschied zur Sicherheitsstufe B war lediglich, dass dort auch der Korpus mindestens doppelwandig mit unterschiedlich möglichen Materialstärken gefertigt sein musste. Die nachstehenden Bilder zeigen das VDMA Einheitsblatt 24992 in der Ausführung Mai 95 als Verdeutlichung, die letzte Aktualisierung dieses Einheitsblattes. Als Verriegelung genügte anfänglich sogar ein einfaches einseitig wirkendes Schloß, auch wenn mitunter bereits aufwändigere Verschlußsysteme eingebaut wurden. Jeder Metallbetrieb konnte sich daran orientieren und hat dann nach gutdünken Tresore gefertigt, eher einfache Behältnisse für kleines Geld oder auch schon mal wesentlich teurere Modelle mit schweren 12mm starken Türen. Nutzer konnten dann den Inhalt bis zu einer Höchstgrenze bei ihrer Hausratversicherung versichern lassen, wenn sie einen solchen Tresor besaßen und die Wertgegenstände darin aufbewahrten. Die Versicherer gewährten sogar höhere Versicherbarkeit, wenn im privaten Bereich ein Tresor von über 200kg Eigengewicht verwendet wurde, im gewerblichen Bereich lag diese Grenze bei über 300kg, in der Annahme, dass Tresore mit diesen Gewichten nicht so einfach abzutransportieren seien.

Da hier also ein Tresor ein und derselben Sicherheitsstufe mal mit mehr und mal mit weniger Material und Aufwand gefertigt werden konnte, waren diese Wertbehältnisse nicht bezüglich der Aufbruchsicherheit vergleichbar. Hier war es an der Versicherungswirtschaft, einheitliche und vergleichbare Prüfverfahren für Tresore zu schaffen, da diese auch die Verbraucher gegen Risiken versichern.

Darauf wurde dann in den frühen 1990er Jahren die Euronorm EN 1143-1 entwickelt. Hier führten nun die geballten Kenntnisse der Versicherungswirtschaft über gelungene und zuweilen auch nicht gelungene Aufbrüche und -versuche dazu, dass die mutmaßlich eingesetzten verschiedenen Werkzeuge einzeln und in Kombination miteinander katalogisiert und mit einem Werkzeugkoeffizient versehen wurden. Die Arbeit mit diesen Werkzeugen an Tresoren wurden dann einem Zeitfenster gegenüber gestellt, innerhalb dessen ein Aufbrucherfolg nicht erzielt werden durfte. Diese Werte sind die sogenannten RU (Resistant Units). Die Tests werden dabei jeweils auf ein Handloch zur Entnahme kleinerer Gegenstände und auf einen Vollzugriff ausgeführt, bei welchem sämtliche Gegenstände im Tresor entnommen werden können. Daher ist es Usus, dass Sie bei den RU stets beide Werte genannt bekommen. Um also eine Serie an Wertschutzschränken zu zertifizieren, müssen viele Prüfkörper in den Laboratorien sehr viele verschiedene Tests durchlaufen. Im Einzelfall können da bis zu 80 Tresore und mehr einer jeweiligen Aufbruchprüfung unterzogen werden. Erst, wenn eine Serie alle Tests erfolgreich durchlaufen haben, gilt die Zertifizierungsprüfung als bestanden - und erst dann kann der Herstellerbetrieb die begehrten Zertifikatsplaketten erwerben und die jeweiligen Produkte damit ausstatten. Bei einem Wertschutzschrank, der nach EN 1143-1 geprüft wurde, haben Sie also die Garantie, ein Qualitätsprodukt mit geprüfter Sicherheit zu erwerben. Und dabei ist es egal, ob das Prüf- und Zertifizierungsinstitut in Deutschland, Italien, Schweden, Polen, der Tschechischen Republik oder Spanien ortsansässig ist, durch die rigiden Vorgaben der EN 1143-1 sind derartige Produkte für alle Marktteilnehmer in allen EU-Mitgliedsländern zwingend anzuerkennen (auch wenn der deutsche VdS gern mal versucht, das zu Lasten anderer Marktteilnehmer anders zu sehen...), sofern die Prüf- und Zertifizierungsinstuitute durch ihren jeweiligen Staat akkreditiert sind.

Plakette EN 1143-1 SB-0-190S

In diesem Beispiel sehen wir eine Zertifizierungsplakette der European Certification Body GmbH (ECB.S) in Frankfurt am Main.

Dieser Safe ist zertifiziert in Widerstandsgrad (resistance grade) 0 (oder N wie null, wie wir in Deutschland sagen). Jede Plakette trägt eine individuelle Zertifikatnummer (Cert. mark No.), die auf den Hersteller rückschließt. Eine eigene Seriennummer macht diese Plakette unique, wodurch sich jeder Tresor beim Hersteller seiner dokumentierten Produktion zuordnen lässt. Strafverfolgungsbehörden können damit einen entwendeten Tresor einer Tat zuordnen, Versicherer einem Versicherungsfall, und Waffenbehörden einem Waffenbesitzer.

Käufer gebrauchter Wertschutzschränke sollten hier stets vorsichtig agieren, da mitunter solche Plaketten aus beschädigten Tresoren entnommen und in Tresore ohne Zertifikatprüfung eingebracht werden, um ein zertifiziertes Produkt vorzutäuschen, weil damit einfach ein höherer Kaufpreis zu erzielen ist. Lassen Sie sich in einem solchen Fall stets die Kaufdokumente des Veräußerers vorlegen und prüfen Sie die Angaben (bspw. Gewicht) bestmöglich auf Stimmigkeit. Bei jedem Zweifel: lieber Finger weg!!

Plakette VdS EN 1143-1

Plakette von VdS (Köln, DE)

Plakette IMP EN1143-1

Plakette von IMP (Warschau, PL)

Plakette TrezorTest EN1143-1

Plakette von TrezorTest (Prag, CZ)